Pay as you drive – Ersparnis kontra Datenschutz?

Donnerstag den 11.09.2014 - Abgelegt unter: News
PAYD-System

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Der Vernetzung von Autos gehört die Zukunft. Dazu gehört, dass sich im Bereich der Kfz-Versicherung in den kommenden Jahren viel ändern wird. Ein besonders wichtiger Punkt hierbei ist das in Deutschland bereits von eigenen Versicherern eingeführte Pay as you drive, das das Einstufen der Prämien der Autoversicherung gemäß des Fahrstils des Fahrzeughalters bzw. der Fahrzeugführer möglich macht.

Geld sparen dank besseren Fahrens?

Das Pay as you drive-System in der Kfz-Haftpflicht und Kaskoversicherung soll dafür sorgen, dass das versicherte Fahrzeug entsprechend des Fahrstils eingestuft wird und nicht nur hinsichtlich

  • Typ- sowie
  • Regionalklasse,
  • Anzahl der unfallfreien Jahre und
  • dem Alter des Fahrzeugführers.

Dies ist an sich eine gute Sache. In der Theorie bedeutet das: Wer gut Auto fährt, der zahlt weniger in seine Kfz-Versicherung ein als derjenige, der einen den Verkehr gefährdenden Fahrstil hat.

Wo ist die Grenze beim Fahrstil gesetzt?

Die große Frage dabei ist: Wer bestimmt, was sichereres und und unsichereres Fahren ist? Wer legt die Grenze fest zwischen gutem Fahrstil und riskantem Fahrstil? Ist jemand, nur weil er langsam und sehr vorsichtig fährt, schon ein schlechterer Autofahrer und wird entsprechend schlechter eingestuft von seinem Autoversicherer?

Hier beginnt dann der Punkt, an dem sich Autofahrer die Frage stellen müssen, ob sich ein Wechseln in einen vermeintlich günstigeren Pay as you drive-Tarif überhaupt rechnet. Stellt sich danach heraus, dass man kein, den Richtlinien des Versicherers nach, vernünftiger Autofahrer ist, könnte sich das Blatt am Ende sogar wenden. Man bezahlt dann einen höheren Beitrag als vor dem Nutzen des PAYD-Systems in der Autoversicherung.

Höhere Versicherungsbeiträge dank zu langsamen Fahrens?

Wer zu vorsichtig und dabei ständig zu langsam fährt oder zu oft auf die Bremse tritt, stört den Verkehrsfluss und gefährdet damit zugleich den Verkehr und die anderen Verkehrsteilnehmer. Deshalb ist ein übervorsichtiger Autofahrer im Sinne von Pay as you drive bei der Kfz-Haftpflicht nicht unbedingt ein beliebter Kandidat, um günstigere Versicherungsbeiträge zu erhalten.

Fahrstil

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Übervorsichtige Autofahrer sollten sich deshalb gut überlegen, bevor sie aufgrund einer möglichen Ersparnis in der Theorie wirklich in einen PAYD-Tarif wechseln sollten. Am Ende kann sich dies gegenteilig auf die Höhe der Beiträge auswirken. Selbst wenn man von sich glaubt, ein guter, da sehr vorsichtiger, Autofahrer zu sein. Wer den Verkehr immer wieder ausbremst und aufhält, der wird gerade auf Schnellstraßen und Autobahnen zu einer Gefahr für den Straßenverkehr. Gerade hier kommt es oft zu Unfällen, weil Autofahrer nicht dem zügigen Verkehrsfluss gefolgt sind, sondern womöglich noch auf der linken Spur andere, schnellere Verkehrsteilnehmer aufgehalten und diese aus schnellem Tempo heraus ausgebremst haben.

Risikofahrer werden mehr zahlen müssen

Überhaupt nicht empfehlenswert ist der Wechsel in einen auf Pay as you drive basierenden Versicherungstarif in der Kfz-Haftpflicht und der Kaskoversicherung für Risikofahrer. Hier dürfte bereits vorab klar sein, dass es für diese Art von Autofahrern keine Ersparnis geben wird in den auf Fahrleistungen begründetem System.

Wird man dann vom eigenen Autoversicherer gedrängt, in das PAYD-System zu wechseln, damit dieser feststellen kann, wie der Fahrstil ist und wie oft das versicherte Fahrzeug bewegt wird, bleibt einem Risikofahrer dann wohl kaum etwas Anderes übrig, als in eine andere Kfz-Versicherung zu wechseln.

Daten werden über Telematik-Box übertragen

Wer sich über das System des Pay as you drive versichert in einer Autoversicherung, der muss damit leben, dass zahlreiche Daten aus seinem Fahrzeug gesammelt und übertragen werden. Diese Sammlung und Übertragung von Fahrdaten, Fahrleistung, etc. wird mittels einer ins das Auto einzubauende Telematik-Box durchgeführt.

Dies hat den Vorteil, dass der Autoversicherer schnell an die Daten gelangen kann aber auch den Nachteil, dass hier persönliche Daten gesammelt und ausgewertet werden können. In Sachen Datenschutz ist das PAYD-System damit nicht gerade eine wenig heikle Angelegenheit. Deshalb sollten sich Autofahrer, selbst wenn sie sich die Ersparnis wünschen, darüber nachdenken, ob das Pay as you drive wirklich der richtige Weg ist, um bei einer Kfz-Versicherung an der Höhe der Beiträge zu sparen oder ob ein Wechsel des Versicherers nicht vielleicht der bessere Weg wäre.

Doch lohnt sich die Ersparnis wirklich?

Auf der einen Seite mag zwar die mögliche Ersparnis stehen, auf der anderen Seite aber steht der Datenschutz und persönliche Daten und deren Schutz sollten immer über den paar Euros stehen, die sich damit vielleicht sparen lassen. Pay as you drive ist nicht einfach eine Sache, bei der nur die Geschwindigkeit des Fahrzeugs ausgewertet wird, sondern sich regelrechte Bewegungsprofile erstellen lassen.

Damit ist der Datenschutz beim PAYD nach wie vor eine heikle Sache. Niemand kann sagen, ob die im Fahrzeug angebrachten Telematik-Box nicht etwa gehackt werden könnte. Niemand kann sagen, an wen die Daten, die durch Pay as you drive gesammelt werden, weiter gereicht werden. Ob sie wirklich nur an den Autoversicherer selbst gelangen oder nicht etwa ein Teil der Daten an Autohersteller, Straßenplaner oder an Werbetreibende weitergegeben wird. Die Schlupflöcher in Sachen Datenschutz sind hier möglicherweise größer, als einem Verbraucher lieb sein dürfte. Deshalb ist es vielleicht empfehlenswerter, einen normalen Tarif und keinen PAYD-Tarif bei der Kfz-Versicherung abzuschließen und lieber ein paar Euro mehr zu zahlen und sich dafür ohne Datensammelei mit seinem Fahrzeug frei auf den Straßen bewegen zu können.


KFZ-Versicherung